Gestern hat eine Coachee von mir einen Satz gesagt, den ich sofort kannte. Weil ich ihn bestimmt 100-mal exakt genau so selbst gedacht habe. „Ich bin aktuell nur in Elternzeit." Nur.

Und während sie das sagte, kamen mir aus der Außenperspektive auf einmal zwei Erkenntnisse gleichzeitig:

Erstens: Ich habe das genauso gesagt. Habe diese so wichtige Phase immer wieder selbst kleingeredet und abgetan – als wäre sie eine Art Lücke im Lebenslauf, die man möglichst unauffällig überbrückt.

Zweitens: Die Art, wie wir über unsere Elternzeit sprechen, entscheidet mehr, als wir denken. Nämlich nicht nur, wie wir selbst diese Phase wahrnehmen – sondern auch, wie unser Umfeld das tut.

Was wäre, wenn du es anders erzählen würdest?

Stell dir vor, du sitzt in einem Bewerbungsgespräch. Und die Kandidatin sagt:

„Die letzten Monate waren die intensivsten, herausforderndsten und lehrreichsten meines Lebens. Ich habe gelernt, unter extremem Schlafmangel Entscheidungen zu treffen. Prioritäten klar zu setzen, wenn nicht alles gleichzeitig geht. Mit sich ständig ändernden Rahmenbedingungen umzugehen. Immer wieder neu zu planen. Konflikte auszuhalten. Und ein hohes Maß an Verantwortung zu übernehmen – jeden Tag."

Klingt gut, oder? Alles davon beschreibt die Elternzeit. Nichts davon ist gelogen. Und auf einmal klingt es nach Management Skills, die jedes Unternehmen sucht.

Elternzeit ersetzt keine Berufserfahrung – aber sie ist ein Bootcamp

Ich glaube, Eltern werden ist ein absolutes Bootcamp für die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Für Fähigkeiten, die in jedem Job relevant sind und die man nirgendwo so konsequent trainiert – oder trainieren muss – wie in dieser Phase:

  • Organisation. Weil nichts mehr so läuft wie vorher und du trotzdem funktionieren musst.
  • Prioritäten setzen. Weil du lernst, dass nicht alles gleichzeitig geht. Und das ist tatsächlich eine der wertvollsten Erkenntnisse überhaupt.
  • Grenzen setzen. Weil du lernst, was du brauchst, um neue Kraft zu tanken.
  • Kommunikation. Mit einem Menschen, der noch keine Worte hat – und trotzdem verstanden werden will.
  • Verantwortung übernehmen. Vollständig. Rund um die Uhr. Ohne Pause.
  • Mit Unsicherheiten umgehen. Weil kaum etwas planbar ist und jeder Tag anders.
  • Change Management. Weil du gerade mitten in einer der größten Veränderungen deines Lebens steckst.

Woran liegt es, dass wir trotzdem „nur" sagen?

Ich glaube, es liegt nicht daran, dass wir wirklich denken, die Elternzeit sei unwichtig. Es liegt daran, dass wir gelernt haben, uns in einer Welt zu erklären, die Leistung vor allem in Erwerbsarbeit misst.

Und wenn du gerade nicht im Büro sitzt, kein Gehalt bekommst, keine Präsentationen hältst – dann fühlt es sich an, als müsstest du dich fast entschuldigen dafür, dass du gerade nicht „dabei" bist.

Das ist ein gesellschaftliches Problem. Kein persönliches Versagen.

Aber du – und wir alle – können etwas dagegen tun. Und zwar schon heute: indem du anfängst, anders über diese Phase zu sprechen. Mit dir selbst. Und vor allem auch mit anderen.

Was das mit deinem Wiedereinstieg zu tun hat

Wenn du gerade in der Elternzeit bist und daran denkst, wie du zurück in den Job findest – oder ob du überhaupt zurückwillst – dann fang vielleicht hier an und frag dich:

  • Was habe ich in der Elternzeit über mich gelernt?
  • Was habe ich gemeistert, was ich mir vorher nicht zugetraut hätte?
  • Was hat mich überrascht – an mir selbst?

Die Antworten darauf sind der Ausgangspunkt für einen Wiedereinstieg, der wirklich zu dir passt.

Nicht „nur" Elternzeit. Sondern: genau die richtige Vorbereitung auf das, was als Nächstes kommt.